Alben 2010 (Oder: Musik des Jahres)
by Christoph
Da guckt man einmal nicht hin und schon endet das Jahr wieder. Da hat man grade die letzte Rakete abgeschossen, da muss man schon wieder fast neue kaufen. Der letzte Weihnachtsmann wurde geköpft und jetzt muss man schon wieder Guillotine spielen. Das geht mir alles zu schnell. Ich werd alt. Aber was sagt mir das alle? Es ist Zeit die Alben für 2010 zu kühren. Man muss die Tradition ja fortsetzen. Und wie auch letztes Jahr werde ich mich einfach nur grob daran halten was dieses Jahr erschienen ist und was nicht. Einfach meine Alben, die mich durch das Jahr begleitet haben.
Wir fangen hinten an. Der Spannung halber.
10. The Hirsch Effekt – Holon: Hiberno
The Hirsch Effekt haben dieses Jahr ihre erste LP rausgebracht und nachdem ich dem ganzen etwas skeptisch gegenüberstand sah ich sie Ende Oktober live in Hamburg und war einfach nur überwältigt. Härte trifft Experimente und Melodie, alles gemischt mit ungewöhnlichen Songstrukturen und vielen kleinen und großen Überraschungen die das Album zu keinem Zeitpunkt langweilig machen. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber sich darauf einlassen lohnt sich.
9. Envy – Recitation
Das Envy mit diesem Meisterwerk in meine Top 10 kommen war ja schon fast zu erwarten. Wieder einmal haben sich die Japaner selbst übertroffen und ein Stück Schönheit abgeliefert für das man nur schwer Worte finden kann. Es ist einfach eine klasse für sich und diese knappe Stunden kann viel in einem bewegen. Man versteht zwar kein einziges Wort, aber sie beweisen, dass man auch ohne etwas zu verstehen einfach mitgerissen werden kann. Und wer sich die LP holt, was ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann, der wird auch englische Übersetzungen finden. Wintermusik. Ganz klar.
8. The Saddest Landscape – You Will Not Survive
Als The Saddest Landscape angekündigten wieder zusammen Musik machen zu wollen war die Freude groß. Und als sie dann “You Will Not Survive” releasten war man einfach nur hin und weg. Was für ein atmosphärisches Stück Musik die Jungs da zusammengeschustert haben ist einfach nur der Wahnsinn. Sie melden sich mit dieser Scheibe eindrucksvoll zurück und wen sie nicht schon beim ersten Track packen, der hat was nicht verstanden.
7. The Riot Before – Rebellion
Ich durfte ja in diesem Jahr auch endlich The Gaslight Anthem live sehen und als Vor-Vorband standen aufeinmal The Riot Before auf der Bühne. Ich musste zu meiner Schande gestehen vorher noch nie was von denen gehört zu haben, doch das sollte ich schnell bereuen, denn nach der Show war ich so hin und weg, dass ich mir ihre neue Platte zulegte und seitdem verliebt bin. Klasse Melodien, Ohrwürmer am Stück und immer diese Priese angepisster Rock. Großartig.
6. United Nations – United Nations
Und hier wären wir dann auch bei der ersten Platte, die nicht in diesem Jahr erschienen ist, die mich aber trotzdem mehr als umgehauen hat. Durch eine Freundin lernte ich United Nations kennen und war sofort verzaubert. Das war irgendwas zwischen Grind, Screamo und verschachtelten Melodien mit einem Monster an Stimme, die sich über derbes Geschrammel legte. Das war Liebe auf den ersten Blick.
5. Comadre – Burn Your Bones
Und wenn wir schonmal dabei sind alte Kamellen neu aufzulegen machen wir bei Comadre weiter. Zusammen mit PUNCH sah ich die in Berlin und hatte mich mit Comadre bis dato nur sporadisch beschäftigt. Doch nach dem Konzert hatten sie einen Fan mehr. Dreckiger Hardcore Punk oder irgendwas in die Richtung, der auch immer wieder in härtere Gefilde abrutscht. Ganz schwer zu beschreiben aber Ohrwurmqualitäten. Und alle:
“We are the doctors
With all the prescriptions.
Can’t wait till our appointment comes.
It’s the only medication.”
Groß.
4. mikrokosmos23 – Memorandum
Und nun wirds schon fast Kommerz. Mikrokosmos23 haben dieses Jahr ihre zweite LP rausgebracht und dabei einen großen Stilwechsel vollzogen. Weg vom fast sprechenden Gesang hin zu mehr Pop-Punk. Mit Erfolg. Auch wenn die Platte sehr unterschiedlich aufgenommen wurde so hat diese Mischung aus tiefsinnigen Lyrics und eingängiger Note bei mir gezündet. Und die Lieder setzten sich sehr fest in meinem Kopf. Sicher werden sie damit groß rauskommen, aber wenn sie die Qualität halten werde ich dabei bleiben.
Jetzt wirds ernst. Die Siegertreppchen-Alben bereiten sich darauf vor gekrönt zu werden. Bitte sehr.
3. Bring Me The Horizon – There Is A Hell Believe Me I’ve Seen It, There Is A Heaven Let’s Keep It A Secret
Auf Platz 3 landet das neue Album von Bring Me The Horizon mit dem sehr kompakten und einprägsamen Namen “There Is A Hell Believe Me I’ve Seen It, There Is A Heaven Let’s Keep It A Secret”. Und das könnte als Anspielung auf die Musik verstanden werden, die sich auf der Platte befindet, denn BMTH haben sich ganz eindeutig weiterentwickelt. Man merkt einfach, dass sich sich beim schreiben Gedanken gemacht haben. An jeder Ecke finden sich gute Ideen, neue Einfälle, immer wieder Überraschungen. Sie haben experimentiert und aus den damals noch stumpfen Deathcoresongs wurden jetzt wirkliche Lieder mit ausgefeilten Songstrukturen. Sagt über die Jungs was ihr wollt, aber sie haben Talent und Potential und wenn das so weitertgeht mir der Qualtät der Alben, dann dauert es nicht mehr lange bis DAS Album released wird.
2. A Day to Remember – What separates me from you
*hust* *räusper* Ja. Also ich glaube jetzt ist der Zeitpunkt auch gekommen, an dem man rot werden kann. Ein A Day To Remember Album auf Platz zwei der Jahrescharts. Selbst ich hätte nicht gedacht, dass das jemals nochmal passieren würde. Aber die Jungs haben mich überrascht. Das Album ist unglaublich poppig geworden, aber wegen solchen Lieder wie “2nd Sucks” oder auch “All I Want” lief die Platte bei mir in Dauerrotation. Und sie haben einfach dieses gewisse etwas eine Melodie aus dem Ärmel zu zaubern, die einen nicht mehr loslässt. Man kann gar nicht anders als wie ein Flummi durch den Raum zu hüpfen. Soft hin oder her: Das Album rockt.
Trommelwirbel…..
Nur eine Platte hat es dieses Jahr noch länger in meinem CD-Schacht ausgehalten. Es ist
1. Touché Amoré – …to The Beat of a Dead Horse
Was ein gottverdammtes Meisterwerk das ist. Sie spielten meine Hardcoreshow des Jahres und beeindruckten mich auf ihrer Platte von der ersten Sekunde von “And Now It’s Happening In Mine” bis hin zum letzten Takt von “Adieux”. 18 Minuten geht “To The Beat of a Dead Horse” nur, aber diese 18 Minuten sprühen einfach nur so vor neuem Sound und frischen und unverbrauchten Ideen. Sie erfinden das Rad nicht komplett neu, aber so wie sie Screamo spielen hat man es einfach noch nie gehört. Die Songs sind kurz, knackig, bringen es auf den Punkt, keine unnötigen Spielerein, alles sitzt da wo es soll und egal wie oft ich “Honest Sleep” oder einer der anderen Tracks höre: jedes Mal bekomme ich noch Gänsehaut. Die Jungs sind meine Band des Jahres und da geht nichts drüber.
“I’m losing sleep. I’m losing friends. I’ve got a love/hate love with the city I’m in. I’ll count the hours, having just one wish. If I’m doing fine, there’s no point to this. “
