Vom Gefühl her rauschte dieses Jahr nur so an mir vorbei. Man beendete grad die Umarmung an Silvester 2011 und schon steht man wieder kurz davor. Das ist dann wohl das Signal für einen kleinen, musikalischen Jahresrückblick!
Es wurde kennengelernt, verabschiedet, losgelassen und wiedergefunden, gereist, entdeckt, erobert und gefühlt. Und zu allem gab es diesen einen bestimmten Soundtrack, der nicht nur durch laue Sommernächte trug, sondern auch im Winter, beim Warten auf die Tram, die kalten Zehen vergessen ließ. Hier nun also meine Alben 2012, natürlich in geordneter Reihenfolge. Am Ende gibt es dann noch den ein oder anderen Sonderpreis, da in diesem Jahr soviel gute Musik erschien, dass ich nicht alle Perlen in eine Top 10 hätte quetschen können. Los gehts.
1. Captain Planet – Treibeis

Nachdem die Jungs schon zwei richtig gute Alben auf die Menschheit losließen, schieben sie nun mit “Treibeis” ein Werk nach, das bis an die Oberkante mit Hits vollgepackt ist, unendlich treibend nach vorne geht und dabei mit Lyrik um sich schmeißt, dass es eine wahre Freude ist. Das haben mittlerweile auch die Feuilletons erkannt und lobpreisen die Band in den Himmel. Zurecht, denn diese Platte ist ohne Zweifel DAS Werk 2012. Ohne Widerrede.
2. Apologies, I Have None – LONDON

Als vor knapp einem Jahr ihre neue 7″ rauskam, bekam ich das erste mal Wind von der Band und war sofort angefixt. Was für ein epischer Pop-Punk-Rock-Whatever war das denn bitte? Auf der 7″ befanden sich genau zwei Songs, aber die hörte ich rauf und runter und rauf und runter und rauf und..auf einmal war LONDON da und machte genau da weiter, wo die 7″ aufhörte: Epic as fuck mit Sing-a-longs, die man einfach mitbrüllen muss. Großes Kino.
3. The Tidal Sleep – S/T

Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass The Tidal Sleep DIE Newcomer 2012 in der Hardcorewelt sind. Schon vor dem Release ihres Debüts waren sie als die deutschen Pianos Become The Teeth verschrien und man harren der Dinge, die da kommen mögen. Und es waren große Dinge. Ihr Debüt knallt von der ersten Sekunde alles weg und wenn man auch nur ansatzweise auf Bands wie Touche Amore, La Dispute oder Pianos steht, muss man dieses Album einfach nur lieben. Wirklich.
4. Devil Sold His Soul – Empire of Light

Damals, als Devil Sold His Soul ihr Debüt veröffentlichten, füllte die Band die Nische zwischen Post Rock und Metalcore perfekt aus. Das war irgendwie neu, das war erfrischend und vor allem unglaublich episch. Mit ihrem 2012 Release ändern sie nicht viel an dem Rezept und hauen mich genau dadurch um. Sicher, sie sind vielleicht etwas seichter geworden, aber vor allem die zweite Hälfte des Albums lässt die Kuscheltour vergessen.
5. Birds in Row – You, Me & The Violence

Kaboom. “Pilori” eröffnet diese Werk emotionaler Gewalt und gibt die Marschrichtung vor: knackige, straighte Songs voller Verzweiflung und aufblitzender Melodien, die immer wieder durch die dunkle Soundwand durchschimmern. Das nimmt mit und schickt einen auf eine Achterbahnfahrt, bei der man am Ende erst einmal Luft holen muss. Man benötigt etwas Zeit bis man sich zurecht findet, doch danach beeindruckt dieses Werk nachhaltig und lässt nicht mehr los. Birds in Row, diese kleinen Wunderkinder.
6. Fjørt – Demontage

Noch ein Newcomer 2012, der aber wohl erst im nächsten Jahr richtig durch die Decke gehen wird. Was die Jungs mit ihrem Debüt abliefern erfindet das Rad vielleicht nicht neu, doch sie wissen zumindest wie man es dreht. Ein unendlicher Emotionsbatzen, der von Sekunde eins an mitreißt.
Zähl dich nach, wieg dich auf
gern benutzt, aber nie gebraucht
gib nicht nach, stell dich drauf ein
alles was du tust, kann dein größter fehler sein
hach schön.
7. Landscapes – Life Gone Wrong

Emotionaler Hardcore die 329. Nur in Ohrwurmqualität und mit einem Hang zu großen Melodien. Immer wieder werden Pausen an den richtigen Stellen eingelegt und man bekommkt bei jeder Zeile, die der Sänger einem um die Ohren wirft, Bock, sich einfach nur in den nächstbesten Pit zu schmeißen.
8. State Faults – Desolate Peaks

Je krächziger der Gesang, desto mehr bekommt man meine Aufmerksamkeit. Ich mag es, wenn es sich anhört, als könne der Typ am Mikro einfach nicht singen. Das kann der Herr von State Faults vielleicht wirklich nicht, aber das macht sie wohl auch so gut. Gerwohnte Zutaten: viel Verzweiflung, viel Melodie, doch gleichzeititg immer an der Kante zum Chaos. Kennt man, zündet bei mir trotzdem jedes mal wieder. Besonders bei den Jungs.
9. Veils – Clarity

Noch eine Band, die nach nur einer EP völlig abgefeiert wird. Zurecht, trifft man doch hier auf 5 Ohrwürmer des emotionalen Hardcores, die sich in den Kopf festbeißen und man immer und immer wieder den Play Button drückt. Irgendwie kennt man das zwar alles schon, aber der Mix machts. Großartig.
10. Annisokay – The Lucid Dream[er]

Wer die letzten Jahresrückblicke gelesen hat weiß, dass ich ein Faible für Metalcore habe, der zwischen Breakdowns, zuckersüßen Clean Vocals und brachialen Shouts wandert. Mindestens ein Album schafft es pro Jahr in meine Top 10 und dieses Jahr geht der Preis an Annisokay, die es schaffen, die ganzen typischen Elemente des Metalcores zusammenzuwürfeln und dabei sehr erfrischend zu klingen. Hut ab meine Herren.
Da es neben der Top 10 aber noch weitere Platten gibt, die man sich unbedingt mal geben sollte, hier einfach unkommentiert die Sonderpreise in diesem Jahr.
Beste Post-Rock Platte:
Caspian – Waking Season
Beste Rap-Platte
Macklemore & Ryan Lewis – The Heist
Beste Singer/Songwriter Platte:
I Build Collapsible Mountains – Songs from That Never Scene
Beste “Die Band hörte ich früher, aber die bringen trotzdem immer noch guter Alben raus”:
Architects – Daybreaker
Beste Hype-Band-Platte:
alt-j – An Awesome Wave
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